Medienmitteilung 8. April 2011

Grün muss grün bleiben: Basel braucht alle Gärten

Die Stadt Basel zu entwickeln und gleichermassen die Gärten zu bewahren ist eine Chance, die es zu ergreifen gilt. Basels Bevölkerung wird in den nächsten 25 Jahren um ca. 4% wachsen, prognostiziert das Kantonale Amt für Statistik. Die Menschen im künftig dichter bewohnten Basel werden froh sein um die frei gehaltenen Gärten – gerade weil die Stadt wachsen wird! Eine Koalition von Verbänden und urbanen GartenfreundInnen setzt sich deshalb für den Erhalt aller öffentlichen Gartenareale ein und  befürwortet die Familiengarteninitiative jenseits des parteipolitischen Gezänks.

 

Seit Anfang dieses Jahrhunderts entsteht in den westlichen Grosstädten – und auch seit Kurzem in Basel – ein neues Verständnis von Urbanität, bei dem die städtischen Gärten eine wichtige Rolle spielen.

Aus Sicht der Gartenkoalition gibt es genügend gute Gründe für den Erhalt aller Familiengärten in Basel. Die Vereinigung erachtet es in erster Linie als fahrlässig gegenüber den zukünftigen Generationen, die letzten Bodenreserven, das Tafelsilber des Kantons, ohne jede finanzielle Not unwiederbringlich zu verkaufen: Immerhin erwirtschaftete der Kanton Basel-Stadt in den vergangenen 6 Jahren insgesamt über eine Milliarde Franken Überschuss.

Baulandfläche versus Freiflächen: Der zur Abstimmung vorliegende Gegenvorschlag sieht vor, 550 Gärten und damit 11 Hektaren Freifläche in Bauland umzuwandeln. Das entspricht 14 Fussballfeldern oder der Summe aus Schützenmattpark und Basler Zolli. Bei Ablehnung von Initiative und Gegenvorschlag müssten doppelt so viele Gärten zu Gunsten von Wohnbauten und Parkanlagen weichen, was das „2 X Nein“-Komitee vom Basler Gewerbe und der SP favorisiert: 28 Fussballfelder oder die Fläche von Schützenmattpark, Kannenfeldpark, Zolli und Pruntrutermatte zusammen.

Ökologie und Gesundheit: Innerstädtische Naturerfahrungen für Kinder und Erwachsene, Stadtökologie, Klimaregulation und der Nutzen von unverbauten Böden als Wasserspeicher kommen allen zu Gute und sind zu geringen, vertretbaren Kosten zu haben.
Selbstverwaltete Gärten in Basel ermöglichen ausserdem die Selbstversorgung mit gesunden Lebensmitteln und sind eine sinnstiftende, gesund erhaltende Freizeitbetätigung von gut 25’000 Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern.

Öffnung: Die Gruppierung ist sich einig, dass die Strukturen der Gartenvereine überdacht werden müssen und eine Öffnung für breitere Bevölkerungskreise ansteht. Um die Gärten besser bekannt zu machen und aktiver zu bewirtschaften als heute der Fall ist, braucht es mehr personelle und finanzielle Ressourcen.

Stadtentwicklung: In Zukunft müssen die Gärten als innovatives Instrument und Impulsgeber einer modernen nachhaltigen Stadtentwicklung mehr ins Bewusstsein von Planung, Wirtschaft und Bevölkerung dringen und entsprechend gewürdigt werden. Erstes Ziel muss der echte haushälterische Umgang mit dem Boden gemäss Raumplanungsgesetz sein. Nach dem Raumplanungsprinzip „zuerst nach innen verdichten“ ist ein Potential von 11’800 Wohnungen vorhanden, wie mehrere kantonale Stellen kürzlich gemeinsam erkannt haben. Damit stehen Basel – auch bei Annahme der Initiative oder des Gegenvorschlages – alle Entwicklungsmöglichkeiten offen.
Statt neuer Ansätze im Umgang mit dem Klimawandel, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit sowie langfristiger Lebensqualität für die Menschen von hier, liegt der Fokus von Politik und Verwaltung heute noch zu stark auf kurzfristigem Renditedenken.

Entlastung Umland und Pendler: Solange (Auto)-Mobilität weiterhin so billig und damit attraktiv wie heute bleibt, nimmt weder der Pendlerverkehr ab, noch stoppt die Zersiedelung des Umlandes ausserhalb der Stadtgrenze. Aktuellen Basler Verkehrszahlen des Bundesamtes für Statistik ist zu entnehmen, dass höchstens 4% weniger Pendlerfahrten stattfinden würden, wenn – gemäss der 2X Nein-Parole – 1’1000 Gärten umgenutzt und überbaut werden würden. Konkret: In der Zeitspanne, da jetzt 100 Autos an einem vorbeifahren, passieren nachher 96 Wagen. Diese minime Reduktion steht in keinem Verhältnis zum sozialen und ökologischen Schaden, den die Vernichtung der 1‘100 Gärten zur Folge haben würde.

Basel-Stadt & Baselland: Jeder zweite Baselstädter Garten liegt auf Basellandschäftler Boden oder in Frankreich. Denn in der Stadt ist nicht genug Platz für all die Gärten, die die StädterInnen nachfragen. Und dennoch sollen in der Stadt Gärten verschwinden? Wenn, wie aktuell der Fall, einer von zehn Basler Gärten den BaselbieterInnen zur Verfügung steht, ist das ein kleines „Danke!“ ans Baselbiet für das den städtischen Gärten gewährte Gastrecht.

Partikularinteressen und Gemeinwohl: „Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er fordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum“, sagte der renommierte Landschaftsarchitekt Dieter Kienast. Weit über 10’000 Menschen in Basel nehmen sich regelmässig die Zeit und schenken dem Raum ihres Gartens die Zuwendung, die er braucht. Ihnen, die mehrheitlich nicht zu den Privilegierten der Gesellschaft gehören, diesen Luxus zu lassen, bedient nicht Partikularinteressen, sondern fördert das Gemeinwohl.

Dem Komitee „Grün muss grün bleiben“ liegt eine zukunftsfähige, echte nachhaltige Entwicklung der Stadt und ihrer BewohnerInnen am Herzen. Es empfiehlt 2x Ja: Ja zur Volksinitiative ‚zum Schutz von Basler Familiengartenarealen’ und Ja zum Gegenvorschlag.

1 Gedanke zu „Medienmitteilung 8. April 2011“

  1. Das sind doch Argumente, die ich eigentlich von den Grünen und auch von der SP erwarten würde! Vielen Dank an euch alle, die ihr euch für die grünen Inseln in unsrer Stadt einsetzt!!

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