Argumentarium

Everything you always wanted to know about „Familiengärten“ – but were afraid to face!

Familiengärten und Zahlen

Auf Kantonsgebiet Basel-Stadt will die Regierung mit ihrem Gegenvorschlag zur Familiengarteninitiative die Gartenfläche von 51ha auf 30ha reduzieren. Das ist eine Reduktion um rund 43%. Anders ausgedrückt: 4 von 10 Gärten im Kanton sollen verschwinden.

Die Basler Familiengärten sind eigenständig: Die Basler Familiengärten sind finanziell selbst tragend und belasten den Staatshaushalt nicht (Zitat aus: „Zehn gute Gründe für die Basler Familiengärten“; Stadtgärtnerei Basel).

In den letzten 12 Jahren wurden in der Schweiz 264 km2 (entspricht 3697 Fussballfeldern) mit Siedlungen überbaut!

In der Stadt Zürich wohnen 382’000 Personen auf einer Fläche von 87,78 km2. Das entspricht 4’351 Personen / km2. In der Stadt Basel wohnen 169’448 Personen auf 22,75 km2, was 7’448 Personen / km2 entspricht! Damit liegt Basel punkto Besiedlungsdichte auf dem zweiten Platz nach Genf und weit vor Zürich.

Trotz kräftiger Zuwanderung gibt es in der Schweiz nach Ansicht der Credit Suisse (CS) in den meisten Regionen im grossen und ganzen genug Wohnungen. Ein wachsendes Überangebot beobachtet die Grossbank aber bei den Verkaufs- und Büroflächen.

Die Zahl leerstehender Wohnungen werde sich kaum verändern, schätzt die CS im am Mittwoch (22.09.2010) veröffentlichten Schweizer Immobilienmonitor die Lage ein. (Quelle: AWP)

Von 1980 bis 2000 stieg die Zahl der Zweitwohnungen in Basel von rund 2500 auf rund 8000 und hat sich damit mehr als verdreifacht!

Freizeitgärten und Gesundheit

Wer in einer grünen Umgebung wohnt geht seltener zum Arzt / zur Ärztin. Grünflächen wirken beruhigend, stress- bzw. aggressionsabbauend und fördern die Konzentration sowie das Erinnerungsvermögen. Gesundheitsunterschiede zwischen sozialen Schichten verringern sich in grüneren Umwelten.

Gärtner/innen leben gesünder und haben durch das Gärtnern eine wirkungsvolle Methode (Coping) mit Krankheit und Leid umzugehen.

  • Armstrong, D.: A survey of community gardens in upstate New York: implications for health promotion and community development. 2000, Health and Place, 6, 319–327.
  • R. Ulrich: Health Benefits of Gardens in Hospitals. 2002, Paper for conference, Plants for People International Exhibition Floriade.
  • Dickinson, J., Duma, S., Paulsen, H., Rilveria, L., Twiss, J. and Weinman, T.: Community gardens: lessons learned from California healthy cities and communities. 2003, American Journal of Public Health, 93, 1435–1438.
  • Kuo F.E.: The role of arboriculture in a healthy social ecology: Invited review article for a Special Section. Journal of Arboriculture 2003, 29(3), 148-155.
  • Sarah Wakefield, Fiona Yeudall, Carolin Taron, Jennifer Reynolds and Ana Skinner: Growing urban health: Community gardening in South-East Toronto. 26 February 2007, Health Promotion International, Vol. 22 No. 2.
  • Mitchell R, Popham F : Effect of exposure to natural environment on health inequalities: an observational population study. Lancet. 2008 Nov 8;372(9650):1655-60.
  • Maas J, Verheij RA, Groenewegen PP, de Vries S, Spreeuwenberg P: Green space, urbanity, and health: how strong is the relation? NIVEL, Netherlands Institute for Health Services Research, PO Box 1568, 3500 BN Utrecht, Netherlands.
  • Faber Taylor A. & Kuo F.E.: „Children with attention deficits concentrate better after walk in the park.“ Journal of Attention Disorders 2009, 12, 402-409.
  • van den Berg AE, Maas J, Verheij RA, Groenewegen PP: Green space as a buffer between stressful life events and health. Soc Sci Med. 2010 Apr;70(8):1203-10. Epub 2010 Feb 12.
  • Stigsdotter UK, Ekholm O, Schipperijn J, Toftager M, Kamper-Jørgensen F, Randrup TB : Health promoting outdoor environments–associations between green space, and health, health-related quality of life and stress based on a Danish national representative survey. Scand J Public Health. 2010 Jun;38(4):411-7. Epub 2010 Apr 22.
  • Unruh A.M.: The meaning of gardens and gardening in daily life: A comparison between gardeners with serious health problems and healthy participants. ISHS Acta Horticulturae 639: XXVI International Horticultural Congress.

Familiengärten und Soziales

Die Basler Familiengärten sind Freiraum: Die Basler Familiengärten sind keine Baulandreserve. Sie sind Grünflächen mit Sondernutzung analog den Sportanlagen und Friedhöfen. Die Areale sind grösstenteils zonenrechtlich gesichert. Sie sind ein fester und im Grünflächenkonzept verankerter Bestandteil der Grün- und Freiraumversorgung (Zitat aus: „Zehn gute Gründe für die Basler Familiengärten“; Stadtgärtnerei Basel).

Die Basler Familiengärten sind ein Bedürfnis: Die Basler Familiengärten sind ein unverzichtbarer Ort für die Haltung von Kleintieren (Kaninchen und Vögel) in der Stadt. Sie ersetzen Privatgärten und Balkone im unmittelbaren Wohnumfeld. Sie decken unmittelbar die Freiraumbedürfnisse von ca. 40’000 Menschen (Zitat aus: „Zehn gute Gründe für die Basler Familiengärten“; Stadtgärtnerei Basel).

Die Basler Familiengärten sind ein städtisches Freizeitangebot: Die Basler Familiengärten bilden die Voraussetzung für das Kleingartenwesen und die Kleingartenvereinigungen als fester Bestanteil der städtischen Kultur und einer sinnvollen und kostengünstigen Freizeitkultur (Zitat aus: „Zehn gute Gründe für die Basler Familiengärten“; Stadtgärtnerei Basel).

Die Basler Familiengärten sind menschenfreundlich und nahe: Die Basler Familiengärten sind besonders für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, für betagte Menschen und für Kinder von unverzichtbarem Wert. Sie bieten einen überblickbaren Aktionsradius (Zitat aus: „Zehn gute Gründe für die Basler Familiengärten“; Stadtgärtnerei Basel).

  • Kuo F.E.: Coping with poverty: Impacts of environment and attention in the inner city. Environment & Behavior 2001, 33(1), 5-34.
  • Kuo F.E., & Sullivan W.C.: “Environment and crime in the inner city: Does vegetation reduce crime?” Environment and Behavior 2001, 33(3), 343-367.

Familiengärten und Integration

Die Basler Familiengärten sind integrativ: Die Basler Familiengärten erfreuen sich grosser Beliebtheit, besonders bei jenen Menschen, welche noch ländliche Wurzeln haben und eine Bindung zur Scholle brauchen. Bei der ausländischen Wohnbevölkerung ist die Nachfrage nach Familiengärten sehr gross. Zur Vermeidung von Konflikten und zur Vereinfachung von Integrationsentwicklungen wird darauf geachtet, dass die Bevölkerungsdurchmischung mit der Entwicklung der Wohnbevölkerung einhergeht. Die Basler Familiengärten ermöglichen ein vielfältiges Nebeneinander von unterschiedlichsten Menschen. Sie tragen zur Integration der ausländischen Wohnbevölkerung bei (Zitat aus: „Zehn gute Gründe für die Basler Familiengärten“; Stadtgärtnerei Basel).

  • U.Kober: „Strategien bü̈rgerschaftlichen Engagements bei der Integration von Zuwanderern“, in: F.Swiaczny, S.Haug (Hrsg.): Migration – Integration – Minderheiten. Neuere interdisziplinäre Forschungsergebnisse. Materialien zur Bevölkerungswissenschaft 2003 Heft 107, S. 129-141. Zitat: … „Zentral ist bei den Internationalen Gärten die Belebung der Eigeninitiative und Eigenarbeit. Die gemeinsame Arbeit in der Gärten dient der Selbstversorgung mit Gemüse, Obst und Kräutern, ist aber zugleich Ausgangsbasis für Freundschaften und Gemeinsamkeiten, die Menschen mit unterschiedlichen Sprachen und kulturellem Hintergrund verbinden“. … „ Der hier verfolgte Integrationsansatz nimmt die sozialen und kulturellen Ressourcen der Migranten zum Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Gemeinsamkeiten über ethnische, sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg. „Die soziale Praxis in den Internationalen Gärten zeigt, dass es Sinn macht, Integrationskonzepte zu entwickeln, in die die Zuwanderer von Anfang an und als gleichberechtigtes Gegenüber auf der Basis der Entdeckung von gemeinsamen Interessen einbezogen werden können“ (Müller 2002:44)…“
  • Wolf André Christian/Daglar Nilgün (2007) Bürgerschaftliches Engagement und Integration von Migrantinnen und Migranten im Kleingartenwesen. Eine Untersuchung am Beispiel der Kleingärtnervereine in Münster. Zitat: …“Kleingärten sind über ihre stadtökologische Funktion und ihre eigentliche kleingärtnerische Nutzung hinaus vor allem auch Orte sozialer Begegnung und des nachbarschaftlichen Miteinanders. Kleingärten eröffnen aufgrund ihres stabilen Sozialgefüges die Chance, gerade hier mit Maßnahmen zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements und zur Integration von Migranten anzusetzen…“

Familiengärten und Ökologie/Stadtklima

Die Basler Familiengärten sind ökologisch: Die Basler Familiengärten werden biologisch bewirtschaftet. Das Meteorwasser versickert zu 100% in den Gärten. Die Basler Familiengärten wirken im überbauten Raum als wichtige Ausgleichsflächen, ermöglichen die Luftreinigung und steuern im Sommer der Überhitzung der Stadt entgegen. Damit tragen sie zusammen mit den übrigen Grünflächen zum positiven Stadtklima bei. Die Familiengärten stellen Refugien für Flora und Fauna dar, sie können zu den artenreichsten Biotopen innerhalb der Stadt gehören. Die Gartenareale stellen wichtige Verbindungen zwischen den Grünflächen her und sichern damit den Kontakt von Flora- und Faunapopulationen untereinander (Zitat aus: „Zehn gute Gründe für die Basler Familiengärten“; Stadtgärtnerei Basel).

  • In den dicht verbauten, hochgradig versiegelten Stadtteilen ohne grösseren Grünflächenanteil nimmt die Wärmebelastung signifikant zu. Ein weiterer Anstieg der Lufttemperaturen und des städtischen Wärmeinseleffektes wird diese Situation verschärfen, insbesondere für ältere Menschen. Zitat Prof. E. Parlow. Klimawandel in Basel: Welche Herausforderungen stellen sich an die Stadt der Zukunft?
  • Nicht ein einzelner großer Park schafft ein gutes Klima in den Städten, sondern mehrere kleine. Zu diesem Schluss kommen Klimatologen von der Technischen Universität Berlin (TUB). … „Wenn der Klimawandel die Temperaturen vor allem in der Wärmeinsel Großstadt in Zukunft steigen lässt, wird klimaoptimierte Stadtplanung sehr wichtig sein“.

Studien belegen, dass es in Familiengärten eine viel grössere Artenvielfalt gibt, als in öffentlichen Grünanlagen. Durchschnittlich werden 22,4 Pflanzen pro m2 Garten und nur 0,5 in einem Park gezählt. In den Basler Familiengärten wird seit Jahren biologisch angebaut und eine Vielfalt der Pflanzen, auch Wildpflanzen wird ausdrücklich gewünscht und gefördert.

Unversiegelter Boden ist ein nicht vermehrbares Gut mit einer hohen ökologischen Bedeutung. Inzwischen wird in Fachkreisen schon von ‚Peak soil’ geredet. Das Bundesamt für Raumplanung dringt auf ein Entgegenwirken von Flächenversiegelung in Stadt, Land und Agglomeration.

Fazit: Familiengärten gehen uns ALLE an!!!!

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